Die Säge schärfen
Bereits im Architekturstudium wird uns beigebracht: Der wichtigste Skill in unserem Beruf sei es, schöne Projekte zu erstellen.
Wir hetzen durch ein extrem anspruchsvolles und intensives Studium mit einer einzigen Zielsetzung: möglichst gute Endergebnisse zu produzieren. Nur daran wird die Schönheit unserer Arbeit gemessen. Dabei wird komplett außer Acht gelassen, wie man eigentlich zu diesen Ergebnissen kommt.
Haben wir die passenden Arbeitsmethoden ausgesucht? Wurde die richtige Software optimal genutzt? Hat die Zeitplanung gestimmt und die Zusammenarbeit im Team funktioniert?
Mir fällt dazu immer wieder der Spruch über den Holzfäller ein: „Ich habe keine Zeit, die Säge zu schärfen, ich muss noch so viele Bäume fällen.”
Genau so läuft es bei uns oft ab. Erschreckend schnell gewöhnen wir uns daran, mit unseren eigenen Ressourcen, unserer Zeit und unserer Aufmerksamkeit verschwenderisch umzugehen. Im ständigen Drang nach schnellen Ergebnissen nehmen wir uns keine Zeit mehr, unsere Arbeit sinnvoll zu strukturieren – und noch wichtiger: den Prozess zu genießen!
Ich frage mich die ganze Zeit: Ist die Schönheit des Arbeitsprozesses für die „Schönheit” der Architektur wirklich total unwichtig?
Oder ist es eigentlich genau andersherum: Darf ein Projekt, bei dessen Erstellung menschliche und materielle Ressourcen nicht schonend und effizient eingesetzt wurden, überhaupt noch „schön” oder „nachhaltig” heißen?
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Ursprünglich am 8. Oktober 2022 auf LinkedIn veröffentlicht.